Tschetschenien-Krieg

Brief an die Russische Botschaft
 

Die IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges) hat einen Brieftext an den Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland entworfen. Bitte prüfen Sie den Text und verwenden Sie ihn so oder nach Ihren Vorstellungen verändert und schicken Sie ihn ab. Geben Sie ihn auch an andere weiter, die sich evtl. an der Briefaktion beteiligen wollen.


An den
Botschafter der Russischen Föderation
Sergej B. Krylow
Unter den Linden 63 - 65

10117 Berlin

Fax: 030 - 2299397; e-mail: russembassyg (at) trionet.de

 

Sehr geehrter Herr Botschafter Krylow,

die widersprüchlichen Informationen über den Fortgang der Kriegshandlungen zwischen den russischen Truppen und den Rebellen in Tschetschenien lassen mich befürchten, dass dieser Krieg von Verbrechen begleitet wird, unter denen insbesondere die Zivilbevölkerung leidet. Zudem beunruhigt mich das neue russische Sicherheitskonzept, das die Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen erheblich senkt.

Der Krieg in der russischen Teilrepublik hat bisher Zig-tausende von Opfern unter der Zivilbevölkerung gefordert. Nach Schätzungen humanitärer Organisationen haben bis zu einer halben Million Flüchtlinge ihre Heimatverlassen müssen. Noch immer befinden sich in der Hauptstadt Grosny, dem Hauptziel der russischen Angriffe, einige zehntausend Zivilisten. Der erbarmungslose Krieg der russischen Regierung in Tschetschenien, mit dem Einsatz geächteter Waffen und gezielter Zerschlagung der Infrastruktur ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ignoriert das Kriegsvölkerrecht und ist ein Bruch der Genfer Konventionen. Das Leiden der Zivilbevölkerung lässt viele davon sprechen, dass der Krieg das Ausmaß von Völkermord erreiche.

Dass die russische Armee in Tschetschenien eine Strategie der Vernichtung ziviler Ziele und der Infrastruktur umsetzt, verurteile ich ebenso, wie zuvor das NATO-Bombardement Jugoslawiens im Jahre 1999.

Die lebensbedrohende Situation der unschuldigen Menschen in Tschetschenien kann nur durch ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen auf allen Seiten behoben werden. Dazu fordere ich Sie auf, Ihrer Regierung mitzuteilen, dass die deutsche Friedensbewegung von ihr verlangt, mit allem Nachdruck auf einen sofortigen Waffenstillstand und eine politische Lösung hinzuwirken. Die russische Regierung wird aufgefordert, der OSZE sowie humanitären Hilfsorganisationen umgehend ungehinderten Zugang für die Versorgung der verbliebenen und flüchtende Zivilbevölkerung zu gewähren.

Sehr geehrter Herr Botschafter, eindringlich möchte ich Sie als Vertreter der russischen Föderation vor dem Irrweg warnen, die sicherlich dringlichen Probleme um Tschetschenien militärisch lösen zu wollen. Ein anhaltender Krieg wird nicht nur soziale Not und Armut verschärfen, sondern zugleich auch zu langfristigen Instabilitäten in der Region beitragen.

Mit besorgten Grüßen

(Unterschrift)

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Mit freundlichen Empfehlungen
 
Humanistische AKTION
 
2/2000
 


 
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Aktualisiert am 03.06.04